Rudolf und Stephanie heirateten am 10. Mai 1881 in Wien. Sein leises, resignierendes "Ja", konstatieren Beobachter, stand in krassem Gegensatz zur lauten, und kräftigen Antwort der Braut. Schon die Hochzeitsnacht im Schloss Laxenburg war ein Fiasko. Man hatte die 17-jährige Stephanie unaufgeklärt in die Ehe geschickt, und der um sechs Jahre ältere Rudolf fiel in brutaler Eroberermanier, wie er es von seinen zahllosen Liebschaften gewohnt war, über sie her. Noch fünfzig Jahre später schrieb sie über das schreckliche Erlebnis: "Welche Nacht! Welche Qual, welche Abscheu! Ich hatte nichts gewusst, man hatte mich als ahnungsloses Kind zum Altar geführt. Meine Illusionen, meine jugendlichen Träumereien waren vernichtet. Ich glaubte, an meiner Enttäuschung sterben zu müssen." Rudolf sollte sein hemmungsloses Liebesleben in den acht Jahren seiner Ehe noch weiter intensivieren. "Der Kronprinz war gewohnt, dass ihm kein we...