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Habsburger Teil 3



Daraufhin gelang es schließlich - nach einem Interregnum durch den Premysliden Ottokar von Böhmen - Rudolf von Habsburg, in der Schlacht auf dem Marchfeld im Jahre 1278 die Macht an sich zu reißen.

Die ursprünglich unbedeutenden, aus der Schweiz stammenden Habsburger erwarben im späten Mittelalter eine Reihe von Ländern, darunter Kärnten, Krain, Tirol und Vorarlberg, wodurch am Beginn der Neuzeit - mit Ausnahme von Salzburg, dafür inklusive einiger Gebiete Italiens und Sloweniens - das heutige österreichische Territorium entstand.

Als Kaiserin Maria Theresia 1780 starb, wurde ihr seit längerem schon mitregierender Sohn Josef Alleinherrscher.
Er war ein kluger, sparsamer und weitsichtiger Reformator, dessen Leitsatz lautete: "Ich war ein Mensch, bevor ich Herrscher war, und das halte ich für meine beste Eigenschaft."
Bekannt dafür, dass er sich gern "unters Volk" mischte, besuchte Josef II. eines Tages, während seine Pferde in Bologna an einer Tränke versorgt wurden, ein Kaffeehaus, in dem er mit einem ebenfalls durchreisenden Offizier ins Gespräch kam.
Als ihm der Fremde anvertraute, dass er in Diensten des Papstes stünde, seit Längerem aber schon seinen Dienst quittieren wollte, weil er vom Vatikan schlecht bezahlt würde, meinte Josef: "Warum treten Sie nicht in andere Dienste ein, zum Beispiel in den italienischen Gebieten des Kaisers von Österreich?"
"An wen soll ich mich dort wenden?" fragte der Offizier.
"Sie glauben doch nicht, dass die hohen Herren für unsereiner zu sprechen sind."
"Wenn`s weiter nichts ist", sagte der Monarch, "ich gelte was beim Kaiser, ich will Sie empfehlen."
Der päpstliche Offizier lachte über den jungen Mann, den er für einen Leutnant hielt, blieb aber höflich und bedankte sich.
"Um Ihnen zu beweisen, dass ich nicht mehr verspreche, als ich halten kann", fuhr Josef fort, "will ich Ihnen einen Brief geben, der an eine hohe Standesperson gerichtet ist, die in wenigen Stunden hier durchkommen wird."
Der Kaiser schrieb den Brief und versiegelte ihn, adressiert an seinen Oberstallmeister Graf Dietrichstein.

Stunden später sprach der Fremde bei Dietrichstein vor, übergab ihm das Kuvert und versank fast im Erdboden, als der sagte: "Mein Herr, ich gratuliere, Sie haben den Kaiser selbst gesprochen.
Er befiehlt mir, Ihnen vierhundert Zechinen zu geben, damit Sie sich zu dem Regiment verfügen, in dem er Ihnen eine Kompanie anvertraut."
Der Offizier erhielt eine hohe und wesentlich besser bezahlte Stellung.

Sein große menschliche Breite führte auch dazu, dass Josef II. die mittelalterliche Leibeigenschaft der Bauern abschaffte, Mann und Frau in der Ehe gleich stellte, das Wiener Allgemeine Krankenhaus gründete, Folter und Todesstrafe abschaffte, und die Steuereintreibung reformierte.
Josefs Wirtschaftsmaßnahmen verdoppelten in machen Ländern der Monarchie die Beschäftigungszahlen, seine Sozialreform brachten Ansätze zur Kranken- und Altersversorgung.
Er gründete das Burgtheater, ließ Presse und Bühne durch eine liberalere Zensurpolitik größere Freiräume, ja er duldete sogar Kritik an seiner Person.
Mit dem "Toleranzpatent" gewährte er schließlich frei Religionsausübung.

Im Gegensatz zu seiner Mutter, die behutsam reformierte, konnte es Josef nicht schnell genug gehen. Kraft und Tempo seiner Maßnahmen schufen viele Gegner - vor allem in der katholischen Kirche, als er ein Drittel aller Klöster sperren ließ, um in den frei werdenden Gebäuden Spitäler und andere soziale Institutionen zu errichten.
Dabei war Josef ein guter Christ. Als er den, bis dahin nur Aristokraten zugänglichen Prater für jedermann öffnen ließ, pilgerten Tausende Familien in das Erholungsparadies.
Sie stürmten Wirtshäuser und Erfrischungszelte, in denen Kaffee, Tee und Eis ausgeschenkt wurde.
Kaiser Josef beobachtete an mehreren Sonntagvormittagen das bunte Treiben, ehe er in Gesprächen und Beobachtungen erkannte, dass viele Ausflügler in den Prater gingen, statt in die Kirche.
Er schloss daraufhin die Parkanlage an den Sonntagvormittagen wieder, um sie ab zehn Uhr, als die Messen vorbei waren, wieder zu öffnen.
Nun gingen die Wiener in die Kirchen - und danach in den Prater.

In seinem Privatleben bewies Josef II., dass er Staatsreform und Sparsamkeit nicht nur predigte.
Er selbst lebte spartanisch, sperrte Schönbrunn und einen Teil der Hofburg zu, entließ die Dienerschaft seiner Mutter, und kam mit einer einzigen Köchin aus.
Er war der erste Herrscher, der sich alleine rasierte und selbst für die Körperpflege sorgte.
Er entschärfte das Hofzeremoniell, schaffte Hofknicks und Handkuss ab, und empfing Bittsteller aus dem Volk persönlich.

Wenn auch äußerst umstritten, war der "Reformkaiser" seiner Zeit um ein Jahrhundert voraus, und ersparte Österreich damit möglicherweise einen Umsturz im Stil der Französischen Revolution.
In den zehn Jahren, die der josefinischen Epoche gegeben waren, wurde Österreich mehr verändert als in den Jahrhunderten davor.

Ein Aristokrat, dem die Öffnung zum Volk gar nicht recht war, beschwerte sich bei Josef: "Jetzt gibt es in Wien gar keinen Ort mehr, wo man unter seinesgleichen sein kann".
"Ach ja", stöhnte der Kaiser, "das Problem kenne ich. Wenn ich immer nur unter meinesgleichen sein wollte, müsste ich in die Kapuzinergruft hinunter steigen!"

Das war eine nicht ganz ernst gemeinte Bemerkung, die sich aber allzu früh bewahrheiten sollte.
Kaiser Josef starb, nur 48 Jahre alt, am 20. Februar 1790.
Seine Bedeutung wird auch von der Tatsache nicht geschmälert, dass viele seiner Maßnahmen von seinem Bruder und Nachfolger, Leopold II., zurück genommen wurden.

Nach Leopolds nur zweijähriger Regentschaft - er starb ebenso überraschend wie sein Bruder - begann der Niedergang des Hauses Habsburg, dem Leopolds engstirniger Sohn, Kaiser Franz, nur wenig entgegenzusetzen hatte.
Er hat den Thron 1792 als Franz II. bestiegen, und ist 43 Jahre später als Franz I. gestorben.
Das lag daran, dass er 1806 als Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation zurücktrat, und fortan als Kaiser von Österreich (und somit Franz I.) weiter regierte.

Wie jeder Habsburger musst er ein Handwerk erlernen, wobei Franz sich für die Gärtnerei entschieden hatte, an der er sein Leben lang mehr Interesse zeigte, als an der Politik.
Er selbst soll einmal über seine schlichte Auffassung, die Staatsgeschäfte zu leiten, gesagt haben: "Kaiser, das ist ein großes Wort, aber ein guter Hofrat wäre ich schon geworden."

In der Tat war Franz einer der bürokratischsten Herrscher auf dem Thron der Habsburger.
Diese Episode ist für ihn symtomatisch.
Als sein Finanzminister Franz Graf O`Donell 1810 starb, weilte der Kaiser zufällig in Prag, wo er sich nun auf die Suche nach einem Nachfolger für dieses schwierige Amt begab.
Er befahl den Verwalter des Hradschin, Joseph Graf Wallis zu sich, und sagte ihm: "Ich will Sie lieber Graf, für Ihre treuen Dienste belohnen. O`Donell ist tot. Sie sollen sein Nachfolger werden."
"Ich bitte Eure Majestät", meinte der Verwalter, "allergnädigst bedenken zu wollen, dass ich vom Finanzwesen nichts verstehe, und mich darum auch nie gekümmert habe".
"Das macht gar nicht", entgegnete der Kaiser, "genau solche Leute brauche ich. Sie waren ein treuer Burggraf, und werden ein nicht minder treuer Finanzminister sein".
Es folgte, was zu erwarten war: der Staatsbankrott.

Dem Kaiser blieb wenig Zeit, das Regieren zu erlernen.
Gleich nach seinem Amtsantritt erklärte ihm das revolutionäre Frankreich den Krieg, in dessen Folge Österreich erhebliche Gebietsverluste erlitt.
Zwei Persönlichkeiten prägten die Regierungszeit des "guten Kaiser Franz".
Metternich auf der einen, und Napoleon auf der anderen Seite.
Beide hatten wesentlichen Anteil am Zustandekommen des wohl wichtigsten politischen Ereignisses dieser Epoche, dem "Wiener Kongress", zu dem ab September 1814 Monarchen und Staatsmänner sonder Zahl nach Wien reisten, um nach dem vermuteten Ende der Herrschaft Napoleons - der nach der verlorenen Schlacht bei Leipzig im Exil auf Elba saß - über eine "Neuordnung Europas" zu verhandeln.

Und zu tanzen, wie es heißt.
Ja, gefeiert wurde viel, wobei der 28 Juni 1815 den festlichen Höhepunkt bildete.
Der König von Dänemark hatte Geburtstag, die Königin von Bayern, der Herzog von Sachsen-Weimar, und der Großherzog von Baden hatten Namenstag.
Wie es das Zeremoniell vorschrieb, wurde Zar Alexander als Europas ranghöchster Monarch während des Diners neben Maria Ludovika, die Frau des österreichischen Kaisers platziert.
Leider hatte man bei der Tischordnung nicht bedacht, dass sowohl Zar als auch Kaiserin auf je einem Ohr taub waren.
nun saßen die beiden unglücklicherweise so, dass sie nicht hören konnten, was ihr Gesprächspartner gerade sagte.
Boshafte Wiener stellten die Konversation der Kaiserin mit dem Zaren so dar:
"Wie schmeckt`s Euer Majestät?"
"Schrecklich müde".
"Freut mich sehr".

FORTSETZUNG FOLGT

Kommentare

  1. Hallo Ilse!
    Ich schicke dir schnell mal ein paar "englische" Fruehlingsgruesse. Auch hier blueht alles inzwischen. England ist ein einziges Osterglockenmeer!!! Sie bluehen an allen Ecken und Stellen. Wunderbar.
    Leider fliege ich morgen schon wieder heim. Und sorry wegen der "komischen" Schreibweise. Es liegt an der eng. Tastatur.
    Liebe Gruesse, Christa

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