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Große Kriminalfälle Teil 3


Ein Mann meldete sich bei bei den ungarischen Staatsbahnen und gab an, als Passagier in einem der Waggons gesessen und durch das Unglück verletzt worden zu sein, wofür er nun Schmerzensgeld verlangte.
Der Mann hieß Sylvester Matuschka und lebte als Wein - und Realitätenhändler in Wien.
Da seine Schadensmeldung unglaubwürdig erschien, wurde er in das Wiener Sicherheitsbüro geladen, wo sich in wochenlangen Verhören herausstellte, dass er nicht in der Eisenbahngarnitur gesessen war, sondern nahe der Brücke, auf das Kommen des D-Zuges gewartet hatte.
Bald konnten die Kriminalbeamten den Nachweis erbringen, dass Matuschka in Wien zehn Kilogramm Sprengstoff gekauft hatte - mit der Begründung, Reparaturarbeiten an seinem Haus durchführen zu müssen.
Matuschka wurde für seine in Österreich begangenen Verbrechen zu sechs Jahren schweren Kerker verurteilt, und nach Verbüßung der Strafe an Ungarn ausgeliefert, wo ihn für das Attentat bei Biatorbagy die Todesstrafe erwartete, die jedoch nicht vollstreckt wurde.


Mit einem Versicherungsbetrug begann auch die Kriminalgeschichte des Ehepaares Emil und Martha Marek.
Der 24-jährige Kaufmann aus Mödling bei Wien, stand im Frühjahr 1927 wegen Verdachts, sich selbst das linke Bein abgehackt zu haben, vor Gericht.
Er und seine Frau hatten von der "Anglo-Danubian-Lloyd" wegen eines "Arbeitsunfalls" 400.000 Schilling zu kassieren versucht.
Nicht nur, dass die Polizze erst einen Tag vor dem Unfall in Kraft getreten war, ergab die gerichtsmedizinische Untersuchung des Stumpfes, dass das Bein durch viele Axthiebe abgetrennt wurde.
Laut Anklage handelte es sich um Selbstverstümmelung Emil Mareks unter Beihilfe seiner Frau Martha.

Dennoch wurde das Paar mangels an Beweisen freigesprochen.
Mit der Versicherung einigte man sich auf einen Kompromiss.
Emil Marek wurden 180.000 Schilling zugesprochen, und auch ausbezahlt.

Der Prozess war freilich nur das Vorspiel zur eigentlichen "Karriere" der Martha Marak.
Ihr Mann starb fünf Jahre nach der Amputation des Beines.
Bald folgte ihm die einjährige Tochter Ingeborg ins Grab.
Wie Martha Marek später gestand, hatte sie Mann und Kind getötet, "um ein freies Leben führen zu können".

Diese "Freiheit" nützte sie zu weiteren Giftmorden.
Das nächste Opfer war ihre Tante Susanne Löwenstein.
Kurz nachdem diese ihr Testament "zugunsten der bedauernswerten Witwe Martha Marek" verändert hatte, starb Frau Löwenstein unter mysteriösen Umständen.

Als das von der Tante geerbte Vermögen aufgebraucht war, nahm Frau Marek eine Untermieterin namens Theresia Kittenberger auf, die sich kurz nach dem Einzug in Mareks Wohnung bereit fand, eine Lebensversicherung in Höhe von 5.000 Schilling zugunsten der Vermieterin abzuschließen.

Damit hatte auch sie ihr Todesurteil unterschrieben.
Theresia Kittenberger starb kurze Zeit später.
Der Fall wurde gelöst, weil ihrem Sohn der plötzliche Tod seiner Mutter aufklärungsbedürftig schien, und er seinen Verdacht der Polizei meldete.
Bei der nun folgenden Untersuchung kam Schreckliches ans Licht.
Martha Marek hatte sowohl ihren Mann, als auch ihre Tochter, ihre Tante und die Untermieterin, in allen Fällen durch das Rattengift "Zelio-Paste" ermordet.

Martha Marek wurde im Jänner 1938 wegen vierfachen Mordes zum Tode verurteilt.
Da in Österreich seit 1900 keine Frau mehr hingerichtet worden war, konnte sie mit der Umwandlung in eine lebenslange Freiheitsstrafe rechnen.
Doch wenige Wochen nach ihrer Verurteilung marschierten deutsche Truppen in Wien ein, worauf Frau Marek ihr Gnadengesuch nicht an den Bundespräsidenten, sondern an Adolf Hitler richten musste.
Und der lehnte ab.
Im September 1938 brachte man aus der Strafanstalt Berlin-Tegel das "Gerät F" nach Wien.
"F" stand für Fallbeil.
Es wurde am 6. Dezember 1938 zum ersten Mal in Österreich angewendet.
Martha Marek wurde an diesem Tag enthauptet.

Vier Jahre lang waren Polizei und Gendarmerie unter der Kontrolle des faschistischen Ständestaates gestanden, nach dem "Anschluss" ging die Exekutive in die Befehlsgewalt des Deutschen Reichs über.
Zu den Aufgaben der Sicherheitsorgane gehörte jetzt das Aufspüren von "Volksschädlingen", die schon wegen geringfügister Delikte wie "Schwarzhören" oder "Erzählen regimkritischer Witze" an Sondergerichte übergeben, und von diesen sogar zum Tode verurteilt werden konnten.
Bei Kriegsausbruch gewann die zur "Stärkung der Wehrkraft" eingesetzte Schutzpolizei zunehmend an Bedeutung, die wie alle Polizeiorgane von der Gestapo überwacht wurden.

Nach 1945 musste der von den Nationalsozialisten zerschlagene Polizei- und Gendarmerieapparat neu aufgebaut werden.
In dieser Zeit bitterster Armut stieg die Kriminalität rasant an, Raubmord und Plünderungen standen ebenso an der Tagesordnung, wie der als Folge der geringen Lebensmittelrationen blühende Schleichhandel.
Ausgerechnet in dieser Situation gab es keine schlagkräftige Polizeitruppe zum Schutz der Bevölkerung, da viele Beamte im Krieg gefallen, oder in Konzentrationslagern ums Leben gekommen waren, andere hatten als ehemalige NSDAP-Mitglieder Berufsverbot.
Die Personalnot war so groß, dass praktisch jeder, der sich um eine Stelle bewarb, ohne nähere Überprüfung aufgenommen wurde.
Einer der damaligen Polizisten soll sogar ein Kassenschränker gewesen sein.

Der "Wagenpark" der Wiener Polizei bestand aus einem einzigen PKW und einem alten Steyr-Lastauto, die beide nur bedingt einsatzfähig waren.
Besondere Verdienste beim Aufbau der neuen Truppe erwarb sich Polizeipräsident Josef Holaubek, auch weil es ihm gelang, die Polizei vor allzu großem Einfluss durch die Besatzungsmächte in der vierfach geteilten Stadt zu schützen.
Er war es auch, der die Werbesprüche "Bist du jung, gesund und frei, komm zur Wiener Polizei" und "Die Polizei, dein Freund und Helfer" kreirte.


Am 14. April 1958 wurde der Leichnam der 21-jährigen Mannequinschülerin Ilona Faber hinter dem "Russendenkmal" am Wiener Schwarzenbergplatz aufgefunden.
Das hübsche Mädchen hatte an diesem Abend den Elvis-Presley-Film "Gold aus heißer Kehle" im Schwarzenberg-Kino gesehen, und war dann von einem unbekannten Mann hinter das nahe "Russendenkmal" gezerrt, sexuell missbraucht und erwürgt worden.

Das "Denkmal für den unbekannten Sowjetsoldaten" erinnert an die Befreiung Wiens durch die Rote Armee im Jahre 1945.
Dem Polizeibeamten, der dort an diesem Abend routinemäßig Wache stand, war ein Verdächtiger aufgefallen, der bald ausgeforscht werden konnte.
Es handelte sich um den dreißigjährigen beschäftigungslosen Johann G., dessen Fußspuren mit denen, hinter dem Hochstrahlbrunnen identisch waren.

Der Fall sorgte auch deshalb für Aufsehen, weil das Opfer aus "besseren Kreisen" stammte.
Ilonas Vater, Ministerialrat Dr. Ludwig Faber, war ein hoher Beamter im Kabinett des damaligen Handelsministers Fritz Bock, der nach Bekanntwerden er Tat aus Solidarität zu seinem Mitarbeiter so weit ging, "die Wiedereinführung der Todesstrafe für Sexualverbrecher" zu fordern.
Dies wäre, erklärte der Minister, "im Sinne der öffentlichen Sicherheit in unserer Stadt angemessen".

Obwohl der mehrfach vorbestrafte Johann G. an Beziehungen mit Frauen kaum je Interesse hatte - er war zeitweise als "Strichjunge" im Homosexuellenmilieu tätig - gab es mehrere Indizien, die ihn schwer belasteten.
So wurde ein Ohrring, den Ilona Faber am Tag ihres Todes trug, vor einem Lokal am Wiener Naschmarkt gefunden, in dem der verdächtige Stammgast war.

Der Mord an der Schülerin wurde zum ersten, großen Kriminalfall, über den das junge Medium Fernsehen umfangreich berichtete.
Das Gericht kam zu einem denkbar knappen Ergebnis.
Vier Geschworene hielten G. für schuldig, vier waren von seiner Unschuld überzeugt.
Er wurde im Zweifel frei gesprochen.

War er wirklich unschuldig?
Vier Jahre nach der Tat starb ein Mann, in dessen Wohnung ein Schuh der Ermordeten gefunden wurde.
Und 2002 behauptete eine Wienerin, dass ihr mittlerweilen verstorbener Mann Eduard S. ihr nach der Tat gestanden hätte, Ilona Faber ermordet zu haben.
Das Verbrechen blieb ungeklärt.
Heute wäre die Ausforschung des Täters mit Hilfe moderner DNA-Methoden zweifellos möglich.


Als "Blaubart von Sankt Pölten" ging der Frauenmörder Max Gufler in die Kriminalgeschichte ein.
Zehn Jahre lang hatte sich der Waschmaschinenvertreter durch Heiratsinserate mit der Chiffre "Glücksfahrt" an wohlhabende Frauen mittleren Alters herangemacht, und ihnen die Ehe versprochen.
Sobald er ihnen ihr Geld abgenommen hatte, lud er sie zu einer Art Verlobungsreise ein, in deren Verlauf er ihnen ein Schlafmittel in den Kaffee mischte.
Die bewusstlosen Frauen ertränkte er dann unbekleidet in Seen oder Flüssen, um Selbstmord vorzutäuschen.

Als im September 1958 der Leichnam der 47-jährigen Maria Robas aus Reifnitz am Wörthersee gefunden wurde, richtete sich der Verdacht gegen Gufler, weil eine Nachbarin der getöteten Frau zufällig dessen Autonummer notiert hatte.
Bei der Durchsuchung seine Wohnung in St. Pölten konnten mehr als tausend Gegenstände sicher gestellt werden, die auf zahlreiche ungeklärte Mordfälle hinwiesen.
Der unscheinbare Mann hatte eine mörderische Spur durch ganz Österreich gezogen.
Gufler wurde unter dem Verdacht, achtzehn Frauen ermordet zu haben, fest genommen.

Letztlich für sieben Morde angeklagt, konnten ihm in einem Geschworenenprozess im Wiener Straflandesgericht vier Morde und zwei Mordversuche nachgewiesen werden.
Der Serienmörder Max Gufler starb, zu lebenslanger Haft verurteilt, 1966 im Alter von 56 Jahren in der Strafanstalt Stein.


Am Abend des 12. März 1963 stand in der Wiener Staatsoper Richard Wagners "Walküre" auf dem Programm.
Unmittelbar vor Beginn der Vorstellung wurde dem diensthabenden Polizeibeamten mitgeteilt, dass sich im Duschraum der Damengarderobe ein lebloser Mädchenkörper befände.
Tatsächlich lag dort die Leiche der elfjährigen Ballettschülerin Dagmar Fuhrich.
Der Täter, der das Kind mit 34 Messerstichen ermordet hatte, war entkommen.

Ganz Österreich nahm an der schrecklichen Tat Anteil - wohl auch, weil nie zuvor ein Mord an so "prominenter Adresse" geschehen war.
In den folgenden Wochen und Monaten wurden alle als Triebtäter registrierten Personen überprüft, weiters jeder, der Zugang zum Opernhaus hatte, die Angehörigen von Dagmars Schulkollegen und die kurz vor der Tat aus der Haft entlassenen Straftäter.
Insgesamt führte die Polizei rund 14.000 Alibiuntersuchungen und Vernehmungen durch.

Vorerst ohne eine brauchbare Spur zu finden.
Doch nach drei Monaten wurden in der Wiener Innenstadt drei Frauen durch Messerattentate verletzt.
Das letzte Opfer schrie laut um Hilfe, sodass es einem herbeieilenden Polizeiinspektor gelang, den 33-jährigen Verkäufer Josef Weinwurm fest zu nehmen, der wegen diverser Diebstähle, nicht jedoch als Triebtäter vorbestraft war.
Nach tagelangen Verhören, in denen er sich in Widersprüche verwickelte, gelang es der Polizei, ihn als den gesuchten "Opernmörder" zu überführen.

Als Grund für das Verbrechen gab der Täter in dem Prozess im Wiener Landesgericht an, dass er nach einem Streit mit seiner Mutter aggressiv geworden und in diesem Zustand zur Staatsoper gefahren sei.
In dem Gebäude fand er sich gut zurecht, da er bereits des Öfteren unbemerkt in die Damengarderoben geschlichen war.

Josef Weinwurm wurde vom Gerichtspsychiater als "krankhafter Frauenhasser" eingestuft, der zur Tatzeit voll zurechnungsfähig gewesen sei.
Zwei Jahre nach seiner Verurteilung unternahm der "Opernmörder" im Gefängnis einen Selbstmordversuch, den er überlebte.
Alle Gesuche auf vorzeitige Haftentlassung wurden abgelehnt.
Josef Weinwurm starb im August 2004 in der Strafanstalt Stein.

Dagmar Fuhrich fand in einem Familiengrab an der Seite ihrer inzwischen verstorbenen Eltern am Grinzinger Friedhof die letzte Ruhestätte.

ENDE



Quelle: Ausschnitt von "Wie die Zeit vergeht" v. Georg Markus

Kommentare

  1. Liebe Ilse!
    Diese Fortsetzungen werde ich in einem durchlesen. Darauf freue ich mich schon. Doch jetzt lockt mich die Sonne hinaus.
    Lieben Gruß
    Poldi

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