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Teil4



Ihre Ehe galt als mustergültig und endete mit dem Tod des Erzherzogs im Jahre 1859.
Seine Witwe überlebte ihn um 26 Jahre.
Erzherzog Johann und Anna Plochl waren des berühmteste, aber bei Weitem nicht das einzige morganatische Paar im Hause Habsburg.

Während man die Geliebten der französischen Könige Mätressen nannte, blieben die Liebeleien der Habsburger im Allgemeinen ganz gewöhnliche Affären.
Der Unterschied:
Zu einer Mätresse steht man in aller Öffentlichkeit, die "Affäre" bleibt geheim.
Zwar war die Beziehung der Katharina Schratt zu Kaiser Franz Joseph in allen Teilen der Monarchie bekannt, doch wurde die Schauspielerin stets als "Seelenfreundin" bezeichnet, was natürlich nur der halben Wahrheit entsprach.
Die andere Hälfte der Wahrheit geht aus einem Brief hervor, den Kaiser Franz Joseph an die "innigst geliebte Frau" richtete:
"Da ich am 19. ungefähr um 6 Uhr früh in Schönbrunn eintreffen werde, so werde ich mir erlauben, um 8 Uhr oder etwas später, in der Gloriett-Gasse (ab 1889 die Adresse der Schratt-Villa in Wien-Hietzing) zu erscheinen, mit der Hoffnung, Sie, den Zeitumständen entsprechend, endlich wieder einmal zu Bett zu finden, was Sie mir auch halb und halb versprochen haben.
Früher kann ich nicht kommen, da ich mich nach der Eisenbahnfahrt reinigen und rasieren muss."

Dass sich Franz Josephs Liebesleben vorwiegend außerhalb der Mauern des kaiserlichen Schlosses abspielte, verwundert nicht, wenn man die Baupläne der Hofburg studiert.
Kaiserin Elisabeth hatte, als sie im Alter von 16 Jahren von Bayern nach Wien übersiedelt war, in der Hofburg ein Appartement bezogen, das an den von Franz Joseph bewohnten Reichskanzleitrakt angrenzte.
Vorerst waren die beiden Wohneinheiten durch ein gemeinsames Schlafzimmer verbunden, doch als dieses in ihren späteren Ehejahren nicht mehr benötigt wurde, ließ es Elisabeth zu einem Turnzimmer umbauen.
Die Kaiserin hatte nun kein Schlafzimmer mehr - ihr Bett wurde jeden Abend in ihrem geräumigen Wohnsalon aufgestellt und nach dem Aufstehen wieder weggeräumt.
Abgesehen davon stand das Appartement der Kaiserin ohnehin meist leer, da sie den größten Teil des Jahres auf Reisen war.

Franz Joseph suchte also bei anderen Frauen Trost.
Noch vor der Schratt war er ein Verhältnis mit Anna Nahowski, der Gattin eines Beamten der k.u.k. Südbahngesellschaft eingegangen.
Der Monarch hatte die erst 15-jährige im Jahre 1875 während eines Spaziergangs im öffentlich zugänglichen Kammergarten von Schönbrunn kennen gelernt, und ihr später eine Villa in der Maxingstraße geschenkt.
Der Liaison entsprangen, wie den Tagebüchern der Anna Nahowski zu entnehmen ist, zwei illegitime Kinder.
Helene, die später den Komponisten Alban Berg heiratete, und Franz Josef, ein begabter Maler, der aber infolge einer Nervenkrankheit mehrere Jahre in Heilanstalten verbringen musste, und schließlich Selbstmord beging.

Die Beziehung des Kaisers zu Anna Nahowski dauerte vierzehn Jahre - und fand ein würdeloses Ende.
Im Frühjahr 1889, wenige Wochen nach Mayerling, bat Friedrich von Mayer, der Generaldirektor des Kaiserlichen Familienfonds, Franz Josephs Geliebte in sein Büro in die Hofburg.
Nicht der Kaiser teilte ihr mit, dass es "aus" sein, sondern ein Beamter.
Anna zeigte sich verbittert, wollte den Vater ihrer beiden Kinder sprechen, wurde aber nicht vorgelassen.
Stattdessen fand man sie mit einer großzügigen Summe ab, deren Erhalt sie am 14. Mai 1889 schriftlich bestätigte.
Gleichzeitig verpflichtete sie sich, über die Begegnung mit Seiner Majestät niemals Auskunft zu geben.
Ehe sie 1931 starb, übergab sie ihre Tagebücher jedoch ihrer Tochter Helene, deren Erben sie 1986 veröffentlichten.

Was das Liebesleben der Erzherzöge anlangte, setzte Franz Joseph viel strengere Maßstäbe an, als bei sich selbst.
Der Kaiser hatte ein richtiges Kundschaftssystem errichtet, dem die Gendarmen der Burgwache als Spitzel dienten.
Jeder von ihnen musste auf einer Liste genau notieren, wann welcher Erzherzog die Hofburg verließ.
Der Monarch lehnte es ab, dass die Erzherzöge nachts unterwegs waren, um sich mit ihren Liebschaften zu treffen.
Franz Joseph kontrollierte die "Ausgänge" persönlich, er war an allen Einzelheiten interessiert, und wollte genau wissen, wer sich wann aus der Burg entfernt hatte; durch gezielte Fragen, warum der Betreffende zu dieser und jener Stunde ausgegangen sei.

Leopold Wölfling hatte in seinem "freimütigen Aufzeichnungen eines ehemaligen Erzherzogs" diese strengen Gebräuche veröffentlicht.
Er wusste, wovon er sprach, zählte Leopold Wölfling doch zu jenen Habsburgern, die der Liebe wegen des Landes verwiesen wurden.
Als Erzherzog Leopold aus der Toskana-Linie 1868 in Salzburg zur Welt gekommen, wurde er vom Kaiser im Range eines Hauptmanns zum Infantrieregiment Nr. 8 nach Brünn entsandt.
Dort erregte er gleich Aufsehen, als er mit seiner Geliebten Wilhelmine Adamovic aufkreuzte, die er im Wiener Augarten kennen gelernt hatte.
Als dem Kaiser zu Ohren kam, dass er die Frau, die einst als Prostituierte gearbeitet hatte, heiraten wollte, ließ er den Erzherzog in eine Nervenheilanstalt einweisen.
Wieder in Freiheit, reiste der mit Wilhelmine in die Schweiz, und bat den Kaiser von dort aus, "Stellung und Rang als Erzherzog ablegen, und den Namen Wölfling annehmen zu dürfen", was akzeptiert wurde.

1903 heiratete Leopold seine Geliebte, ließ sich aber bald wieder scheiden, um die ebenfalls aus dem Rotlichtmilieu kommende Münchnerin Maria Ritter zu ehelichen.
Auch diese Verbindung scheiterte.
Mittlerweilen verarmt, kehrt Leopold Wölfling nach dem Zusammenbruch der Monarchie nach Wien zurück, um in Kaisermühlen eine kleine Greißlerei zu eröffnen.
Für die Kundschaft im Gemeindebau war es natürlich eine Attraktion, hier von einem ehemaligen Erzherzog die Wurst aufgeschnitten zu bekommen.
Wölfling heiratete ein drittes Mal, er ging nach Berlin, schloss sich den Nationalsozialisten an, und starb 1935.

Auch bei Erzherzog Johann Salvator war`s die Liebe, die ihn zum Verzicht bewog, dem Hause Habsburg-Lothringen weiterhin anzugehören.
Wie Leopold aus dem Toskana-Zweig stammend, lebte er fortan unter dem bürgerlichen Namen Johann Orth, der sich von dem in seinem Besitz stehenden Schloss Orth bei Gmunden ableitete.

Johann Salvator hatte im Alter von 19 Jahren nach einer Vorstellung in der Hofoper die Tänzerin Ludmilla "Milli" Stubel kennen und lieben gelernt.
Auch er mißachtete alle Anordnungen, sich von der "Ballettratte" zu trennen, wie sie bei Hof verächtlich genannt wurde, und nahm sie in die entlegensten Garnisonen, in die er strafversetzt wurde, mit.

FORTSETZUNG FOLGT

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